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Podcast 04: Georg Wagner

Als jugendlicher besetzte Georg Wagner mit seinen Freunden die Hainburger Au als diese gerodet werden sollte. Das war sein prägender Einstieg in das Thema Nachhaltigkeit. Schon bald hat er sich das Ziel gesetzt, Technologie und Innovation in Richtung Nachhaltigkeit für eine ökologisch-soziale Marktwirtschaft zu nutzen.

Alles hat mit einem Projekt in seiner Studienzeit an der Wirtschaftsuniversität angefangen. Er entwickelte eine Brille mit austauschbaren Gläsern und suchte einen Designer, der ihm bei der Umsetzung seiner Idee half. Schon bald, entschlossen sie sich ein Unternehmen zu gründen, da kam ihm das Angebot eines günstigen Büros sehr gelegen. So konnte er mit niedrigen Kosten das Unternehmen gründen.
Die Unternehmensvision entwickelten sie erst im Laufe der Zeit.

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Was bedeutet Nachhaltigkeit für Spirit Design?

Die Sustainable Development Goals sind gute Ansatzpunkte, an die sich Spirit Design gerne wendet. Allerdings sieht er Verbesserungspotenzial was die Messbarkeit der Wirkung auf die jeweiligen SDGs betrifft. Für Georg persönlich, ist das oberste Ziel in der Nachhaltigkeit das Klima, CO2 und die Treibhausgasemissionen da diese nachgewiesenermaßen einen großen Einfluss auf die Erderwärmung haben.

Innovation und Branding sind im Prinzip zwei Tools die nicht direkt mit Nachhaltigkeit verbunden werden, allerdings kann man beim Branding beispielsweise darauf achten, welches Papier und welche Farben verwendet werden, oder wie die Verpackung gestaltet ist. Verwendet man bestimmte Stile und Markenelemente können KonsumentInnen erkennen, welche Produkte nachhaltig bzw. weniger nachhaltig sind.

Beim Thema Innovation hat Nachhaltigkeit definitiv seinen Platz. Im Innovationsprozess entscheidet man darüber, welche Produkte oder Dienstleistungen und Services man auf den Markt bringt oder wie das Geschäftsmodell ausgerichtet wird. Hier wird das Thema Nachhaltigkeit relevant.

Welche Herausforderungen siehst du bei der transformation konventioneller Unternehmen zu nachhaltigeren Unternehmen?

Viele der Unternehmen denken innerhalb ihrer eigenen Systeme und nicht weiter. Da viele Systeme außerhalb des Einflussbereichs der Unternehmen liegen, wird es zu einer Herausforderung diese zu transformieren. Beispielsweise liegen die Systemgrenzen eines Produktionsbetriebes allein bei der Anlieferung der Rohstoffe und Halbfertigprodukte, die Verarbeitung sowie ggf. die Verpackung dieser und nach dem Verlassen der Produktion endet die Systemgrenze für diesen Produktionsbetrieb. Weiter wird dann nicht gedacht, so kommt es im weitesten Sinne, dass Verpackungen bekannter Marken im Meer schwimmen.

Ein weiteres großes Problem sind bestehende Investitionen. Die Veränderung einer bestehenden Verpackung ist nicht, so einfach da diese in bestimmten Produktionslinien verarbeitet werden. Für die bestehenden Produktionslinien wurden bereits Millionen investiert, die erst mal wieder amortisiert werden müssen. Die Änderung einer Produktionslinie kann daher leider nicht von heute auf morgen geschehen. Das sind Prozesse, die man langsam und konsequent ansteuern und planen muss.

Georg ist der Meinung, es braucht neue Arten der Kooperation. Wer das System verändern will wird das nicht alleine schaffen sondern muss alle relevanten Stakeholder einbinden. Darunter fällt auch die Politik und damit steigt auch der Komplexitätsgrad. Die Unternehmen und die Menschen wissen schon wie man es umsetzen könnte, allerdings scheitert es oft an den Schnittstellen, an den Stakeholdern die nicht Mitspielen wollen und an den klaren politischen Vorgaben.

Welche positiven Auswirkungen hat es auf Konsumenten und Unternehmen die sich strategisch nachhaltig Ausrichten?

Hochwertige und langlebige Produkte werden hergestellt und auf dem Markt gebracht. Den Unternehmen vor allem in der Bekleidungsbranche sollte klar werden, dass es nicht darauf ankommt jedes Jahr mehrere neue Kollektionen auf dem Markt zu bringen, das gilt auch in andere Branchen.

Positiv findet er vor allem den Trend von kleineren Unternehmen die bereits sehr selbstbewusst und selbstständig das Thema Nachhaltigkeit aufgegriffen haben und sehr kreative neue Produkte entwickeln die regional, nachhaltig sind und cool aussehen.

“Ich habe das Gefühl, dass es durchaus eine neue Entwicklung gibt, die auch neue Märkte schafft und viele KonsumentInnen sind auch dafür bereit.”

Wenn die Wirtschaftskrise kommt, werden sich dennoch viele Menschen nachhaltige Produkte nicht leisten können. Viele Menschen sind durch ihr Einkommen vom Griff zu den den nachhaltigen ausgeschlossen. Total Cost Of Ownership ist etwas, über das sich diese Menschen keine Gedanken machen, denn im Moment können sie es sich trotzdem nicht leisten auf ein nachhaltiges Produkt zu greifen, welches qualitativ hochwertiger und langlebiger ist. Hier müssen neue Möglichkeiten geschaffen werden, beispielsweise durch Sharing Systeme.

Was sind die größten Herausforderungen für Städte wie Wien im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit?

Eine große Herausforderung ist wieder das Aufbrechen der Systeme. Bislang wurde nur in Silos gedacht, so gab es einen Silo Abfall, ein Silo Verkehr, ein Silo Gebäude und weitere für sich alleinstehende Abteilungen einer Stadt.

Ein großer Schritt zur Auftrennung der Silos wurde im Zuge der Entwicklung des Stadtentwicklungsplans für die Stadt Wien getan, indem alle Abteilungen gemeinsam den Plan ausgearbeitet haben. Natürlich muss im Nachhinein die Umsetzung mit demselben Prinzip stattfinden. So sind die einzelnen Abteilungen gefordert übergreifend zu denken und andere Abteilungen in die Umsetzung gewisser Maßnahmen mit einbeziehen.

Die Komplexität einer Stadt ist ein Wahnsinn. Spirit Design will hier einen Hebel setzen: die Daten so strukturieren und darstellen, dass man in der Planung sieht und simulieren kann, was bestimmte Maßnahmen bewirken können.

Mit Design Thinking kann man die Bevölkerung einer Stadt in verschiedene Personas unterteilen, so stellt man deren charakteristische Verhaltensweisen zum Beispiel für den Bereich Mobilität, den Konsum oder auch Energieverbrauch fest. Mit den Ergebnissen überlegt man sich, womit diese Personengruppen am meisten angesprochen werden. Design Thinking stellt als Tool auch die Möglichkeit, Simulationen zu entwickeln und zu nutzen.

Spirit Design hat nebenbei auch ein spannendes Projekt ins Leben gerufen: In Schwellenländern die Mobilität und damit auch die Produktivität von Kleinbauern zu Revolutionieren. Bisher war es ja für Kleinbauern in Entwicklungs- und Schwellenländern nicht leistbar Maschinen für die Produktivitätssteigerung einzusetzen, da die Hälfte der Kosten vor allem für Treibstoff anfallen. Spirit Design entwickelten ein günstiges Arbeits- und Transportfahrzeug, das von Biogas angetrieben wird, aber nicht irgendein Biogas, sondern von den Bauern selbst produziertes Biomethan. Es wird in lokalen Anlagen dörflicher Gemeinschaften aus biogenen Reststoffen produziert. Landwirtschaftliche Abfälle werden damit sinnvoll recycelt und neue Einnahmequellen für Bauern geschafft.

Wie ist es zu dem Projekt gekommen und wie ist der derzeitige Status?

Spirit Design arbeitete gemeinsam mit der AVL List GmbH an einem Forschungsprojekt, bei dem sie sich Gedanken über ihre Positionierung in der Mobilitätsbranche machten. Strategie und Nachhaltigkeit sollte Teil der Positionierung werden und sie wollen sich noch stärker im Bereich Nutzfahrzeuge und Züge aufstellen. Entstanden ist ein Traktor für Kleinbauern der aus Biogas den Treibstoff Biomethan produziert.

Im Laufe der Projektentwicklung lernte er den Umweltbeauftragten eines der größten Wasserkraftwerke der Welt aus Brasilien kennen. Sofort war er begeistert von der Idee aus Biogas, Biomethan herzustellen und daraus einen Treibstoff zu gewinnen.

In Brasilien starteten sie eine Kooperation mit der Unterstützung der Wirtschaftsagentur Wien, Austrian Development Agency und mit Partnern wie Technischen Universität Wien, Universität für Bodenkultur in Wien und Green Tech Cluster sowie vielen anderen kleineren Unternehmen.

Nach mittlerweile sieben Jahren Entwicklungsarbeit ist das Projekt soweit investmentfähig. Spirit Design ist vielen Firmen, die sich in dem Bereich aufstellen wollen vor allem was das Produkt angeht und auch den Markt in Brasilien voraus. Das Fahrzeug wurde zwei Jahre in Brasilien getestet und steht derzeit bei der größten Biogasanlage Österreichs die auch eine Biomethan Tankstelle besitzen.

“Jetzt warten wir darauf, wie es weitergehen kann. Wir brauchen einen industriellen Partner, der es auf den Markt bringen will.”

Noch mehr Chancen sieht Georg allerdings für die mobile Reinigungsanlage von Biomethan. Da Biomethan überall verfügbar ist, wo es Biogasanlagen gibt. Aufgrund des nicht vorhandenen Erdgasvorkommens in Brasilien, wäre das eine gute Möglichkeit den Treibstoff dort dezentral zur Verfügung zu stellen und damit auch die Fahrzeuge zu verkaufen.

 

Welche drei Eigenschaften braucht es für einen zukunftsorientierten Wandel?
  • Veränderungsbereitschaft
  • Optimismus
  • Gewisse Form von Autonomie und innerer Freiheit.

 

Nähere Informationen zu Spirit Design und Georg Wagner auf www.spiritdesign.at 

#togethersustainable