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Podcast 03: Michael Bauer-Leeb

Wir sprechen mit dem Experten Michael Bauer-Leeb über CSR, Green Washing, Sustainable Management und die besten Geschäftsmodelle in Zeiten von Klimawandel und dem Nachhaltigkeitstrend.

Eigentlich wäre ja alles so einfach: Es ist genug für alle da. Alles was es für eine gerechte
Welt braucht sind Wertschätzung, Achtsamkeit und Liebe. Wenn wir beginnen würden
miteinander zu arbeiten, anstatt eigenbrötlerisch zu leben, gäbe es Potenzial für etwas ganz Großes. Die Vision von Michael Bauer-Leeb könnte Wirklichkeit werden, wenn doch nur ein paar Dinge beachtet werden würden.

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Nach konventionellen Jobs bei Konzernen fragte er sich, welchen größeren Beitrag er in dieser Welt leisten und wie er die Spielregeln dieser Welt verändern kann. Nach seinem Finance-Studium war er Teil des Unternehmens „The Good Tribe“, welches Marmelade aus Überschüssen herstellt, heute gibt es das Unternehmen immer noch unter dem Namen „Unverschwendet“. Zurzeit ist er Lektor an mehreren Fachhochschulen und Co-Founder der Weitsicht OG.

„Zukunftsfähig ist eine Wirtschaft dann, wenn sie den Kopf, das Herz und den Bauch gleichermaßen berücksichtigt.“

Wie sieht eine zukunftsfähige Wirtschaft aus?

Eine zukunftsfähige Wirtschaft ist ganzheitlich, verantwortungsvoll und kooperativ. Am wichtigsten ist dabei die Kooperation, denn allein kann niemand die Welt retten. Bei komplexen Themen, wie der Klimakrise, ist eine Zusammenarbeit nötig. Ein weiterer Aspekt ist die Nutzung von Spielräumen. Jeder Mensch sollte seine Spielräume dazu nutzen, um etwas Gutes zu bewegen, egal wie groß der Beitrag dabei ist. Michael Bauer-Leeb unterstützt Unternehmen vor allem dabei, einen Ausgleich zu finden und statt der Profitmaximierung die Profitoptimierung in den Vordergrund zu stellen.

Corporate Social Responsibility

Unter Corporate Social Responsibility versteht man die unternehmerische Gesellschaftsverantwortung. Laut Bauer-Leeb haben viele Unternehmen regelrechte Angst vor der Einbindung von CSR in den Geschäftsprozess.

„Ich hab‘ den Eindruck bei vielen geht der Rollbalken runter, wenn sie es hören. Das hat vor allem mit der Angst vor Veränderung zu tun.“

CSR ist in Unternehmen jedoch vor allem dann wirkungsvoll, wenn sie kein Add-On ist, sondern wenn das Kerngeschäft darauf ausgerichtet ist. Wenn dieses dafür eingesetzt wird gesellschaftliche Probleme zu lösen, dann ist es nachhaltig wirkungsvolles CSR die das Unternehmen fit für die Zukunft macht.

Der Umgang mit Green Washing

Unter Green Washing versteht man den Versuch von Unternehmen, durch Marketing- und PR-Maßnahmen ein „grünes Image“ zu erlangen, ohne allerdings entsprechende Maßnahmen im Rahmen der Wertschöpfung zu implementieren.

Das größte Problem bei Green Washing ist laut Bauer-Leeb, dass Unternehmen meist gute Dinge, jedoch auch katastrophale Dinge tun. Das liegt laut Michael in großen Unternehmen oftmals daran, dass die linke Hand nicht weiß was die rechte Hand macht. Dies wird, solange es keine Kooperation im Unternehmen gibt, immer wieder geschehen. Nur wenn CSR Themen in allen Unternehmensbereichen gelebt werden, kann Green Washing vermieden werden.

Die 17 SDGs

Die Abkürzung SDGs steht für „Sustainable Development Goals“. Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung sind politische Zielsetzungen der Vereinten Nationen, die der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene dienen sollen. Diese geben Unternehmen eine gute Orientierung zum Thema Nachhaltigkeit. Denn Nachhaltigkeit ist für Unternehmen oft wie eine Blackbox: Man weiß nicht was drin ist und traut sich nicht über die Schwelle gehen.

„Die SDGs bringen Licht in die Blackbox der Unternehmen.“

Wie unterscheidet sich nachhaltige Unternehmensführung von traditioneller Unternehmensführung?

Der wesentliche Unterschied zwischen nachhaltiger und traditioneller Unternehmensführung ist, dass Bereiche wie Strategie, Umsetzung, Entscheidungsfindung gleichwertig zu Finanzkennzahlen behandelt werden. Die Vorteile einer nachhaltigen Unternehmensführung machen sich nicht nur bei den KundInnen bemerkbar, sondern auch ganz konkret in der Bilanz: Von Erhöhung der Profitabilität, Steigerung der Weiterempfehlungsrate, Erhöhung der Auslastung, Umsatzerhöhung bis hin zu geringeren Fehlzeiten sind positive Effekte erkennbar.

Das sinnvollste Wirtschaftsmodell

Laut Michael ist das Doughnut Economics Modell von Kate Raworth das sinnvollste Wirtschaftsmodell. Das Modell betrachtet zum Einen soziale Notwendigkeiten, also was wir als Gesellschaft brauchen, um gut leben zu können, zum anderen auch die Anerkennung der ökologischen Grenzen, also die Ressourcen des Planeten. Ein wichtiger Aspekt ist auch das Wachstum, denn es kann nicht immer nur exponentiell nach oben gehen. Die Führung sollte zudem möglichst demokratisch und nicht hierarchisch sein. Es ist essenziell, dass die MitarbeiterInnen in den Entscheidungsprozess miteingebunden werden.

Wer ist für einen Paradigmenwechsel verantwortlich?

Hier nennt Michael Bauer-Leeb drei Verantwortungsebenen:

  • Markoebene: Die Politik muss die Spielregeln so anzupassen, dass jene die jetzt schon nachhaltig agieren schneller vorankommen und auf ihrem Weg bestärkt werden.
  • Mesoebene: Unternehmen, Organisationen und Vereine sollen ihre Kernkompetenzen dazu einsetzen, positive Lösungsbeiträge zu liefern.
  • Mikroebene: Hier ist jede/r individuell gefragt: Wie bewege ich mich durch die Welt? Was kaufe ich ein? Womit bin ich zufrieden? Macht mich Materialismus wirklich glücklich?
Welche drei Eigenschaften braucht es für einen zukunftsorientierten Wandel?

Zum einen die Vorstellungskraft von einer guten Zukunft – wir sollten uns folgende Fragen stellen:

„Wie schaut die Welt, in der ich leben möchte in 20 Jahren aus?“ „Welchen Beitrag leiste ich ab heute, damit diese Welt Realität wir?“ 

Weitere wichtige Eigenschaften sind ein ausgeprägtes Durchhaltevermögen.

#togethersustainable